Selbständigkeit - Freelancer - Projekte vorzeitig beenden - Aufträge beenden

Zum Leben in der Selbständigkeit gehört es auch, gelegentlich Projekte vorzeitig und/oder langfristige Zusammenarbeiten zu beenden. Das ist ein schwieriges Thema, denn jede Situation, jeder Auftrag und jeder Vertrag ist anders. Deshalb kann ich nur aus meiner Vergangenheit berichten, denn gelegentlich sah auch ich mich leider schon dazu gezwungen, aus einem Projekt auszusteigen oder eine langjährige Zusammenarbeit zu beenden.

Projekte beenden: Manchmal ist einfach Schluss

Klar, manchmal ändern sich einfach die Umstände auf Auftraggeber- oder Auftragnehmerseite und Aufträge kommen und gehen. Langjährige Kunden sind bei mir tatsächlich schon einfach sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden, Projekte eingestellt worden. Das gehört dazu.

Wer mich kennt und mit mir zusammenarbeitet, weiß, dass ich ein treues Seelchen bin und man sich auf mich verlassen kann. Deshalb bleibe ich Kunden, die ich schon seit Jahren betreue, für gewöhnlich auch sehr, sehr lange erhalten, sofern es auf beiden Seiten passt. Dasselbe gilt natürlich für kurzzeitige Projekte, die z.B. mehrere Wochen andauern und bei denen es sich um eine einmalige Angelegenheit handelt. Entsprechend fällt es mir sehr schwer, ein Projekt vorzeitig zu beenden und/oder einem langjährigen Kunden zu sagen, dass die Zusammenarbeit endet.

Doch manchmal ist einfach Schluss. In diesem Post verrate ich dir, aufgrund welcher Umstände ich schon die Reißleine zog – und ich meine wirklich die Reißleine …

Ein Projekt aus der Hölle

Es muss wirklich viel vorfallen, bis ich die Geduld verliere und einem Kunden sage, dass ich aus einem Projekt vorzeitig aussteige. Dieser eine Kunde vor knapp drei Jahren meinte offenbar, alles, was man falsch machen kann, in einem Projekt zusammenbringen zu müssen – und ich meine wirklich alles. Der Kunde, eine Agentur, schickte mir vor Projektbeginn eine ganze Menge Unterlagen. Ich fand es merkwürdig, dass ich mich für die Projektabwicklung auf vier oder fünf verschiedenen Portalen anmelden musste (den eigens dafür installierten Messenger nicht mitgezählt), aber gut, die Digitalisierung nimmt heutzutage manchmal ja ohnehin merkwürdige Formen an.

Projektstart und ich legte los, mit den Instruktionen, die ich hatte. Die sahen recht ausführlich und ich dachte, dass man mit diesen gut arbeiten könne. Bis die Agentur meldete, dass man ein paar Dinge anpassen müsse. Und dann wieder. Und dann wieder. Und dann wieder. Am Ende hatte das Freelancer-Team völlig andere Anweisungen als noch zu Beginn des Projekts und es stellte sich heraus, dass die Agentur eigentlich selbst nur testete, was dem Endkunden gefallen könnte und bei diesem grünes Licht erhalten würde. Hurra!

Die Kommunikation wurde im Verlauf der ersten beiden Projektwochen immer schwieriger, die Instruktionen irgendwann so widersprüchlich, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, in welche Richtung ich nun arbeiten sollte und als es an die Zahlung ging, schleppte sich die ganze Sache dahin. Als dann auch noch ohne Abfrage der Kapazitäten bei den einzelnen Freelancern einfach das Pensum erhöht wurde, da man nicht ausreichend Leute gefunden hatte, die die Arbeit in der ohnehin recht knapp bemessenen Zeit schaffen sollten, war für mich dann Schluss.

Gründe, weshalb ich aus diesem Projekt ausstieg, entnimmst du dieser Beschreibung vermutlich ausreichend. Hinzu kam, dass mich das Projekt irgendwann dermaßen forderte, dass ich völlig übermüdet und ausgelaugt war. Da ich nicht die Qualität der Arbeit für meine Bestandskunden gefährden wollte, verabschiedete ich mich und war dann auch schnell vergessen – denn ich war nicht die Erste und gewiss nicht die Letzte, die das Handtuch warf. Am selben Tag stiegen noch mindestens drei weitere Freelancer aus.

Ob es der Agentur eine Lehre war? Vermutlich nicht. Aufträge von dieser nehme ich persönlich allerdings keine mehr an.

Mehr Arbeit für dasselbe Geld

Vor ein paar Jahren belieferte ich ein großes Unternehmen regelmäßig mit SEO-Texten. Welche Texte das sein würden, das suchte ich mir selbst aus. Eine Liste stand zur Verfügung, ich reservierte mir die Texte, die ich schaffen würde und zu denen ich die nötigen Kenntnisse besaß und lieferte sie ab. Alles gut und ich mochte den Job, denn ich konnte an ein Thema, über das ich auch sonst sehr viel schreibe, mal aus einer völlig anderen Perspektive herangehen. Das gefiel mir. Die Bezahlung pro Text war jetzt nicht übermäßig, aber für diese Art Aufgabe ganz okay. Bis es immer mehr wurde. Und damit meine ich weder die Bezahlung, noch die Anzahl der Texte.

Nein, über wenige Monate hinweg wurden die Anforderungen an einen fertigen Text immer mehr. Nun sollte ich die Texte nicht nur liefern, sondern sie auch ins System einpflegen. Es kam Bildrecherche dazu. Ich sollte die Texte zudem durch weitere Elemente auflockern, die ich erst nachschlagen und aufwendig implementieren musste. Aus etwa einer halben Stunde Arbeit pro Text wurde plötzlich knapp eine Stunde Aufwand pro Text – an der Bezahlung änderte sich nichts und das Problem wurde auf Nachfrage nicht mal annähernd erkannt.

Entsprechend packte ich meine Koffer und zog weiter. Leider und recht frustriert, muss ich zugeben. Dass ich diesen Kunden verloren habe, tut mir bis heute weh. Vor allem auf die Art und Weise.

Mach es so – oh nein, so – oder doch eher so?

In zehn Jahren Selbständigkeit kam auch das schon vor: sich ständig änderndes Feedback. Gerade dann, wenn ein Projekt noch am Anfang steht, heißt es, viel auszuprobieren. Das ist klar, das ist logisch, so funktionieren kreative Prozesse. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Auch nicht dagegen, bei langfristiger Zusammenarbeit die Prozesse immer wieder mal auf den aktuellen Stand der Dinge zu überprüfen. Was funktioniert, was funktioniert nicht?

Worin bestand in solchen Fällen also aus meiner Sicht das Problem? In einem Fall schlichtweg darin, dass bei jedem Text eine andere Person die Endabnahme machte und jede natürlich eigene Vorstellungen davon hatte, was einen guten Text auszeichnet. Ob die Punkte im Briefing erfüllt waren oder nicht, spielte keine Rolle, viel mehr der persönliche Geschmack. Da ich nie wusste, welche Person welchen Text lesen würde, konnte ich auch nicht entsprechend darauf reagieren. In einem anderen Fall änderten sich schlichtweg fortwährend die Briefings. Texte, die nach einem aktuellen Briefing geschrieben wurden, wurden anschließend nach einem überarbeiteten Briefing gegengelesen und die „Mängel“ wurden mokiert.

Dass eine Zusammenarbeit manchmal beendet werden muss, zeigte mir auch das Projekt einer Agentur (einer tollen Agentur, die es so leider nicht mehr gibt, mit einem tollen Team – vermisse ich!), die letztlich die Entscheidung traf, einen Kunden schlicht und ergreifend vor die Tür zu setzen.

Hierbei handelte es sich um ein Übersetzungsprojekt, bei dem der Endkunde die fantasievollsten Farben für seine Produkte lesen wollte – Farben, die so gar nicht existieren und entsprechend also erfunden werden mussten. Aber da war noch nicht Schluss: Übersetzungen wurden bis zu dem Punkt umgeschrieben, dass keiner vom Freelancer-Team die eigenen Texte wiedererkannte, Texte wurden häufig bis zu 3X (!!!) zur Übearbeitung vorgelegt. Das Team resignierte geschlossen. Die Arbeit an diesem Projekt war für alle Beteiligten die Hölle. Am Ende ging es soweit, dass die Agentur – wie geschrieben – die Zusammenarbeit mit dem Kunden beendete, weil sie dem Team dessen Vorstellungen und Schikanen nicht länger zumuten konnte.

Das Aus für ein Projekt

In der Zeit meiner Selbständigkeit kam es also durchaus vor, dass Projekte oder langfristige Zusammenarbeiten beendet wurden. Persönlich finde ich das immer schade, denn man bereitet sich ja nicht nur auf ein Projekt vor, um dieses erfolgreich bis zum Ende zu begleiten. Man freut sich ja auch darüber, daran beteiligt zu sein. Mir geht es jedenfalls so.

Gerade in den Anfangsjahren hatte ich viel zu häufig geschwiegen. Klar, gerade zu Beginn der Selbständigkeit ist man froh, Aufträge zu haben, damit Geld und Referenzen reingespült werden. Man erträgt so manches, auch, weil die Erfahrung im Umgang mit solchen Projekten fehlt.

Im Nachhinein hätte ich so manches Projekt oder so manche langfristige Arbeit aber vermutlich sogar eher beenden sollen, denn die eigene Gesundheit kann nichts ersetzen und die ist es am Schluss, die am meisten unter Aufträgen und Projekten leidet, für die man sich unendlich verbiegen muss, um es dem Kunden am Ende dann doch nicht recht zu machen.

Zum Glück kann ich überwiegend auf positive Erfahrungen zurückblicken, die den ganzen Ärger dann wiederum aufwiegen.

 

 


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