Auf Anfragen antworten - Übersetzer - Texter - Redakteure
  • 7. Juli 2021
  • Nicole Saelzle
  • 0

Vor kurzem rief mich eine Interessentin an. Sie benötige eine Übersetzung und wolle wissen, was das koste und ob ich das mache. Ich beantwortete ihre Fragen weitestgehend und sagte, um einen Preis und die restlichen Details nennen zu können, müsse ich den Text sehen. Ich bat sie darum, mir die Unterlagen per E-Mail zukommen zu lassen, was sie auch tat.

Ich sah mir alles an, beanwortete die verbliebenen Fragen und nannte einen Preis. Dazu erkundigte ich mich, ob sie die Übersetzung mit Bestätigung benötigte, da dies aus dem Gespräch bis dahin nicht eindeutig hervorgegangen war. Es folgte eine weitere Rückfrage der “Beinahe-Kundin”, die ich beantwortete, so wie sie mir vorlag.

Seitdem hörte ich nichts mehr. Und ich meine: GAR NICHTS. Keine Beauftragung, keine weitere Frage, keine Absage. NICHTS.

Langsam sind wir über den Zeitpunkt raus, bis zu dem ich noch mit einer Mail gerechnet hätte, in der sie mich fragt, wo die Übersetzung denn so lange bleibt. Abgeschrieben habe ich den Auftrag innerlich wenige Tage nach der Nicht-Antwort. Da mache ich mir inzwischen keine Hoffnungen mehr.

Die Unart des Nicht-Anwortens kommt mir immer häufiger unter, so auch, als vor drei oder vier Monaten ein Unternehmen anfragte, ob ich die Website mit Texten neu befüllen könnte. Ja, könnte ich. Ich nannte meinen Preis. Und hörte nie wieder was.

Auch die Bloggerszene schweigt

In den vergangenen Monaten kümmerte ich mich intensiv um neue Kontakte in der Bloggerszene. Die Veröffentlichung meiner Sci-Fi-Reihe war natürlich der Anlass. Über Wochen und Monate hinweg beobachtete ich Blogs, bei denen ich mir vorstellen konnte, dass Der Verlorene Sektor thematisch passt. Ich hatte mich mit den Blogs beschäftigt und diesen – bei allen handelte es sich um Blogs, die Anfragen von Autoren wünschten – eine ausführliche Vorstellung meiner Person und meines Projekts geschickt.

Rund 90 Prozent der angeschriebenen Blogger antworteten nicht! Ironischerweise kamen die wenigen Antworten, die ich erhielt ausgerechnet von den Bloggern, von denen ich fast vermutete, dass sie aktuell keine Zeit hätten, sich einer Reihe anzunehmen.

Versteht mich nicht falsch: Ich weiß, dass die meisten Buch-Blogger das in ihrer Freizeit machen und kein oder nicht das große Geld mit ihren Blogs machen. Dass deshalb Anfragen abgelehnt werden, ist klar und verständlich. Aus dem Bereich Self-Publishing und Sci-Fi ohnehin. Dennoch ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenigstens eine Absage zu schicken. Auch ich betreibe ein paar Projekte nur aus Spaß an der Freude. Dennoch gilt für mich: Eine Antwort ist Pflicht, selbst wenn es sich um eine Absage handelt.

Und selbst von den Profis kommt nichts

Inzwischen hatte ich zweimal das Vergnügen, einen Beitrag zum Round-up meiner Kollegin Andrea Halbritter beizusteuern, die auf ihrem Blog Côté Langues fortwährend tolle Tipps und Einblicke für Übersetzer und ins Übersetzerleben gewährt. Die Kommunikation funktioniert unproblematisch und schnell. Einfach hervorragend! Was man leider nicht von allen Kollegen behaupten kann.

Auch mit anderen Kollegen sollte eine Zusammenarbeit zustande kommen. Leider vertröstete man mich mit dem Versprechen, dass es bald mehr Infos zu der jeweiligen Aktion geben würde. Das ist in den meisten Fällen dann auch schon wieder ein paar Monate her. Gibt es das jeweilige Projekt noch? Ist noch was geplant und es verzögert sich nur? War ich dann doch nicht interessant genug oder wurde das Vorhaben für alle gecancelt?

Alles Corona, oder was?

Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Dennoch ist vieles beim Alten geblieben. Corona ist dennoch eine praktische Ausrede.

  • Ich antworte nicht. – Oh, tut mir leid, Corona ist schuld.
  • Ich antworte erst nach Wochen. – Sorry, Corona!
  • Lieferungen bleiben aus. – Na klar, Corona …

Auch hier: Bitte versteht mich nicht falsch. In vielen Branchen hat Corona tatsächlich einiges ausgebremst. Kaum war vielen Menschen zuhause langweilig, gingen bei Vermietern, Dienstleistern und Co. viele, äußerst viele E-Mails und Anrufe ein. Man hatte ja plötzlich Zeit, sich mit diesem oder jenem zu beschäftigen, das einen ja schon seit Jaaahren stört. An anderen Stellen gab es Lieferverzögerungen durch strikte Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen. Klar.

Dennoch scheint Corona für viele inzwischen zu einer handlichen Ausrede geworden zu sein. Denn das Problem besteht nicht erst seit uns die Pandemie beschäftigt. Auch zuvor schlich sich diese Unart, nicht zu antworten, mit den Jahren mehr und mehr ein. Mit Corona hatte man dann endlich den perfekten Schuldigen gefunden. Einen Sündenbock für die eigene Unfähigkeit, dem Gegenüber Respekt entgegenzubringen. Für denjenigen, der antworten sollte, ein willkommenes Alibi. Für denjenigen, der auf eine Antwort wartet, ein “Wieso, sollte ich mir Zeit für dich nehmen. Du bist es mir nicht wert.” Oder, um es ewas direkter zu sagen und ohne, dass ich mich in diesem Fall für die Wortwahl entschuldige: ein “Leck mich am Arsch” mit doppeltem Mittelfinger.

Dein schlimmster Fehler

Dieser Post soll kein Rant sein. Die aufgeführten Beispiele sind real und ärgerlich, aber einen weiteren Rant nicht wert. Den Frust habe ich längst anderweitig abgebaut. Dafür bedarf es keines Blogposts. Mit diesem Post möchte ich vor allem Kollegen (egal, ob Übersetzer, Texter, Redakteure, Blogger, etc.) vor Augen führen, wie schlimm es tatsächlich ist, nicht zu antworten. Denn jeder kann punkten, indem er positiv auffällt: mit einer simplen Antwort.

Wer sich nicht die Zeit nimmt, eine – noch so kurze – Antwort zu verfassen, zeigt damit, dass der Gesprächspartner die Zeit nicht wert ist. Man könnte es auch Respektlosigkeit nennen. Man mag sich vielleicht ein wenig Zeit sparen, diese “mühsame” Antwort zusammenzukratzen. Aber diese Zeit erkauft ihr euch. Und zwar teuer.

Innerhalb einer Branche stößt man immer wieder auf dieselben Namen. Früher oder später. Das ist zwangsläufig so. Mal nach ein paar Monaten, mal nach ein paar Jahren.

  • Ihr seid mit eurem Blog auf der Suche nach einer Kooperation. Wieso sollte ich mich darauf einlassen, wenn ihr mir durch die Nichtbeantwortung meiner Anfrage bewiesen habt, dass ihr nicht verlässlich seid?
  • Ihr fragt ein Rezi-Exemplar zu meinem Buch an. Wieso habt ihr plötzlich Interesse daran, wenn ich euch vorher nicht mal eine Mail wert war?
  • Ein Kunde benötigt eine Übersetzung in einem Sprachenpaar oder Fachgebiet, das ich nicht bearbeite. Wieso sollte ich ihn an den Kollegen weiterschicken, die mir nie wieder schrieb?
  • Ihr sagt einen Auftrag nicht ab oder beauftragt nicht und wundert euch bei der nächsten Anfrage, dass ich Vorkasse wünsche. Wenn ihr auf Mails nicht antwortet, wie soll ich euch dann dahingehend vertrauen, dass ihr die Rechnung begleicht?

Dieses Spiel könnte ich noch ewig treiben. In den vergangenen Jahren gab es viele Situationen wie diese. Viel zu viele. Leider auch regional. In einer Gegend wie der, in der ich sitze, wo man die Unternehmen und Unternehmer noch kennt. Autsch. Und auch im Internet. In einer Branche, in der jeder jeden kennt. Doppel-Autsch. Wollt ihr da wirklich einen schlechten Eindruck hinterlassen? Wegen einer solchen Kleinigkeit? Wegen einem “Guten Tag Frau Sälzle, leider kommt der Auftrag nun doch nicht zustande”? Beziehungsweise einem Ausbleiben dieser Antwort?

Antworten ist so einfach

Es ist nur eine Kleinigkeit, die mir und vielen, vielen anderen die Welt bedeuten würde. Ein kleines “Ich hab dich nicht vergessen, es wird nur leider nichts”. Ihr müsst nicht mal eure Gründe darlegen. Ihr müsst einfach nur eine Zeile schreiben, wie ich sie im vorangegangenen Absatz zu Blatt brachte. Diese Worte oder auch ein “Leider habe ich derzeit keine Zeit für eine Kooperation” lassen sich innerhalb weniger Sekunden schreiben. Ihr braucht mit allem drum und dran maximal zwei Minuten zur Beantwortung. Aber wirklich maximal.

Was ich sehe ist: Da gibt sich jemand Mühe. Es hat mit dem Auftrag, der Kooperation, etc. dieses Mal halt nicht geklappt, aber vielleicht das nächste Mal. Auf eine solche Person würde ich jederzeit wieder zu kommen. Auf eine, die sich nicht mal die Mühe macht, kurz zu schreiben, dagegen nicht.

Und wenn nicht für mich, dann für euch selbst. Denkt drüber nach 😉

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