E-Mails checken - Wie häufig sollten Selbständige ihre E-Mails abrufen?

Überschriften müssen schockieren. Das ist heute an der Tagesordnung. Ohne Rücksicht auf Gefühle und Konsequenzen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und Verluste erleiden wir dadurch viele. Wir verlieren das Vertrauen in die Medien, die uns in Überschriften Situationen vorgaukeln, die sich dann beim Lesen des Artikels (hoffentlich) als völlig anders herausstellen. Wir verlieren das Interesse an den kleinen Meldungen. An positiven Meldungen. An Neuigkeiten im Gesamten. Was uns nicht schockiert, wird nicht geklickt – und das zeigt, dass ein Umdenken erforderlich ist. Und zwar schnell.

Seit geraumer Zeit denke ich darüber nach, auf dem Blog eine Reihe mit dem Titel „Die Macht der Worte“ umzusetzen. Doch es handelt sich um eine solche Reihe, bei der man über Gedanken brütet und mit ein paar um die Ecke kommt – die wirklich guten Ideen ergeben sich dann aber doch eher im Alltag. Wie in diesem Fall – wenngleich die Umstände doch eher recht traurig sind.

Wenn dich das Internet krank macht

Schauspieler Chris Hemsworth dürften inzwischen die meisten kennen – und vielleicht hast du auch schon mitbekommen, dass er in jüngster Zeit nicht allzu gute Neuigkeiten erhalten hat. Seit Tagen werfen mir jedenfalls Nachrichtenportale in Twitter und Facebook die Meldung um die Ohren, dass der Thor-Darsteller eine Alzheimer-Diagnose erhalten hat. Das ist keine schöne Meldung und natürlich bewegt eine solche Nachricht viele Menschen dazu, reinzuklicken, um sich über sein Schicksal zu informieren. Alzheimer ist eine schlimme Krankheit und es ist nur umso tragischer, wenn ein relativ junger Mensch eine solche Diagnose erhält.

Den Gedanken, den du direkt hast, wenn du „Alzheimer-Diagnose“ liest oder mitbekommst, dass bei Chris Hemsworth Alzheimer diagnostiziert wurde, erfüllt die Meldung nicht. Natürlich denkst du: Oh krass, Chris Hemsworth hat Alzheimer. Doch dann liest du die Meldung (was viele heutzutage nicht mehr tun) und stellst fest: Nein, Chris Hemsworth hat gar kein Alzheimer (soweit der Öffentlichkeit bekannt ist). Und das zeigt auf, dass die Überschrift ein Problem ist.

Der wahre Hintergrund

Während der Dreharbeiten zu seiner National-Geographic-Doku „Ohne Limits“, die derzeit auf Disney+ gestreamt werden kann, nahm man bei Hemsworth Blut ab und die Tests ergaben, dass er über zwei Gene verfügt, aufgrund derer er ein höheres Risiko als die meisten Menschen hat, an Alzheimer zu erkranken. Auch keine schöne Nachricht, aber – obwohl er bereits offenbarte, dass sein Großvater Alzheimer hat – bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass er ebenfalls an Alzheimer erkranken wird. Und es bedeutet erst recht nicht, was viele Schlagzeilen suggerieren, nämlich, dass bei ihm Alzheimer diagnostiziert wurde.

Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll und auf traurige Weise, was Worte anrichten können. An vielen Stellen las ich bereits im Internet Nutzerkommentare, in denen vollster Überzeugung davon die Rede war, dass Hemsworth Alzheimer hat. Aus einem Newstitel, der Aufsehen erregen sollte, wurde eine Krankheit fabriziert, die aktuell (zumindest nach öffentlicher Kenntnis) gar nicht vorliegt. Schade, dass so belanglos mit Worten um sich geworfen wird – nur wegen einiger Klicks. Traurig, dass in Vergessenheit gerät, welche Wirkung Worte haben können, positiv wie negativ. Dass in Vergessenheit gerät, dass Worte Taten und Charakter formen und im schlimmsten Fall zur Realität, zur Tatsache, werden können. Noch trauriger, wenn es dabei um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht, ob berühmt oder nicht.

Diejenigen, die mit Worten arbeiten, sollten sich ihrer Macht wieder bewusst werden.

 

Bildnachweise: E-Mails abrufen | (c) BrianAJackson | Depositphotos.com

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