Eigene Website für Übersetzer - Teaser

Muss ich als Übersetzer eine eigene Website besitzen und verwalten? Diese Frage kommt in verschiedenen Gruppen – gerade in den sozialen Netzwerken – immer wieder auf. Das ist eine gute Frage und im Prinzip würde ich sagen “Ja”. Diesem “Ja” möchte ich jedoch ein “Aber” nachschieben. Wieso und weshalb, das verrate ich euch in diesem Beitrag.

Eigene Website für Übersetzer ein Muss?

Eine eigene Website für Übersetzer und andere Selbständige kann heutzutage durchaus von Bedeutung sein. Dennoch würde ich nicht so weit gehen, sie als absolutes Muss zu bezeichnen. Die Entscheidung für oder gegen eine Website sollte allerdings bewusst getroffen werden. Es gibt auf der Pro- und der Contra-Seite einige Punkte, die ihr bedenken solltet, wenn ihr über der Frage brütet, ob ihr eine eigene Website benötigt. Schauen wir uns die wichtigsten mal an:

Was für eine Website spricht

  • Aushängeschild im Internet
  • Neue Kunden finden euch per Suchmaschine
  • Interessierte und Bestandskunden können jederzeit (nochmal) nachschlagen, welche Leistungen ihr genau anbietet oder Daten wie eure Adresse einsehen, sollten sie diese mal verlegt haben

Was gegen eine Website spricht

  • Es gibt viele Übersetzer-Websites – um gefunden zu werden, müsst ihr euch mit SEO & Co. beschäftigen
  • Eine Website verursacht Kosten, noch mehr, wenn ihr diese nicht selbst bauen und pflegen könnt
  • Auch rechtlich solltet ihr auf Zack sein und/oder diese Aufgaben an einen Profi auslagern (DS-GVO, Cookie-Banner, etc.)

Das ist natürlich erstmal ein grober Überblick über das Für und Wider einer eigenen Website für Übersetzer. Wir wollen aber auch noch ins Detail gehen. Nachfolgend möchte ich euch darlegen, welche Punkte für mich ausschlaggebend waren.

Ich brauche keine Übersetzer-Website!

Ich selbst hatte mich sehr schnell für eine eigene Website entschieden. Diese Entscheidung traf ich aus mehreren Gründen. Zum einen war ich zu Beginn meines selbständigen Werdegangs relativ schlecht vernetzt. Mir fehlten die Kontakte und ein Netzwerk. Ohne Netzwerk schiebt dir auch keiner einen Auftrag zu, den er oder sie selbst nicht übernehmen kann.

Zum anderen fehlten mir Kontakte zu Unternehmen und anderen Selbständigen, sodass mich und mein Angebot niemand auf dem Schirm hatte. Eine Website sollte das ändern und tat es auch. Die Anbindung an Google Business sorgte dann gleich nochmal für mehr Aufmerksamkeit. Hinzu kommt: Ich wohne in einer relativ ländlichen Gegend, in der sich in meinen Fachgebieten nicht allzu viel tut – ich musste also die Kunden erreichen, die mein Angebot brauchten. Die konnte ich nur erreichen, indem ich zumindest digital meine Region verließ.

Gestehen muss ich aber auch: Ich kann meine Website allein aufbauen und pflegen. Das bedeutet, dass ich lediglich für Webspace, die Anschaffung neuer Themes und Lizenzen für verschiedene Plugins aufkommen muss. Hätte ich für eine Website einen Profi buchen müssen, hätte ich das – zumindest nicht so schnell – getan. Zwar rate ich dazu, dass ihr eure Website dringend in Profi-Hände legt, wenn ihr eure Übersetzer-Website nicht selbst bauen könnt, ich hätte es mir aber gerade am Anfang einfach nicht leisten können. Die Konsequenz daraus wäre gewesen, dass ich eben keine Website habe.

Das wäre für mich vermutlich fatal gewesen. Viele Kollegen bleiben allerdings bei der Aussage: Ich brauche gar keine Übersetzer-Website.

Sind die bekloppt geworden?

Das Jahr 2021. Digitalisierung in aller Munde. Eine globale Welt. Ein Sprachbarrieren überschreitender Job. Wie kann man da keine eigene Website brauchen? Nein, diese Kollegen sind alles andere als bekloppt (geworden). Sie wissen genau was sie tun. Argumente gegen eine Website können genauso gut sein wie Argumente für eine eigene Übersetzer-Website. Einige möchte ich mal anführen:

Gute Vernetzung

  • Sind selbständige Übersetzer gut vernetzt, erhalten sie aus ihrem Netzwerk ausreichend Aufträge, um ihr Einkommen zu bestreiten. Weshalb sich dann also unnötig den Klotz Website ans Bein kleben?

Gute Akquise

  • Manche Übersetzer sind so gut in der Akquise, dass sie Unternehmen direkt als Kunden gewinnen, indem sie sie einfach ansprechen oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Wer hierfür ein Händchen hat, kommt in der Regel gut ohne Website klar.

Empfehlungen

  • Ob von Kollegen oder Kunden – wer von Weiterempfehlungen leben kann, braucht ebenfalls nicht zwangsläufig eine eigene Website.

Fachgebiete

  • Ob ihr als Übersetzer eine eigene Website benötigt oder nicht, kann auch stark davon abhängen, in welchen Fachgebieten ihr arbeitet. Bei manchen Fachgebieten ergeben sich neue Aufträge locker ohne den Weg über die eigene Website.

Vorlieben

  • Natürlich spielen auch eigene Vorlieben eine große Rolle. Wenn ich nichts mit einer eigenen Website anzufangen weiß, dann ist das einfach so. Wenn ich mich mit dem Thema nicht beschäftigen und auseinandersetzen möchte, vielleicht auch gar nicht die Zeit und das Geld dafür aufwenden kann oder möchte, dann ist das kein schlechterer Grund als alle anderen.

Eine eigene Website sollte gut überlegt sein

Möchtet ihr euch als Übersetzer eine Website zulegen, dann überlegt diesen Schritt gut. Ihr könnt eure Website minimalistisch gestalten. Dennoch will sie ab und an gepflegt und aktualisiert werden. Zudem muss eine Website immer an die aktuelle rechtliche Situation angepasst sein. Die DS-GVO und die Cookie-Banner sind nur zwei Übeltäter, die viele ins Rudern brachten und bringen.

Macht euch auch Gedanken dazu, wie eure Website aussehen soll. Vielleicht eignet sich für euch ein One Pager, dem Interessierte eure Adresse und eure Leistungen entnehmen können. Vielleicht möchtet ihr aber auch eine Seite wie die meine. Ich informiere auf mehreren Unterseiten über meine Übersetzertätigkeit, meine Arbeit im Bereich der Texterstellung und im redaktionellen Umfeld, meine Fachgebiete und mehr. Zudem führe ich diesen Blog und da wären wir auch noch bei einem anderen Thema, das eng mit der eigenen Übersetzer-Website zusammenhängt:

Benötigt ein Übersetzer einen Blog

To Blog or Not To Blog?

Eine Website muss nicht zwangsläufig mit einem Blog zusammenhängen. Viele Websites von Selbständigen bestehen aus wenigen Unterseiten und informieren über ihren Werdegang und ihr Angebot. Solange Interessierte alles finden, was sie suchen, ist alles bestens. Wie sieht es aber mit einem Übersetzer-Blog aus?

Ein Blog hat sehr viele Vorteile, macht aber auch eine Menge Arbeit – und vor allem werdet ihr feststellen, dass es nicht jedem liegt, unter die Blogger zu gehen. Zwischen dem Übersetzen und dem Bloggen liegen Welten. Heutzutage gehört zum Bloggen außerdem deutlich mehr, als sich ein Thema für einen Beitrag einfallen zu lassen und auf der Tastatur herumzuhacken.

Gegen einen Blog sprechen ein Mangel an Zeit und ein Mangel an Willen, sich einzuarbeiten. Es geht nicht nur darum, einen Text zu verfassen. Der Text soll ja auch gelesen werden. Sonst kann man sich diese Zeit sparen und der Sinn des Blogs ist dahin. Natürlich werdet ihr nicht von jetzt auf gleich eine Menge Leser erreichen, aber die Zahl der Leser sollte kontinuierlich wachsen und irgendwann einen Punkt erreichen, an dem ihr seht, dass sich eure Mühen bezahlt machen, z.B. weil ihr als Experte wahrgenommen und deshalb gebucht werdet.

Expertenstatus und Alleinstellungsmerkmale

Somit kommen wir auch schon zu den Vorteilen eines Blogs: Präsentiert euch als Experte, zeigt, dass ihr euch mit dem, womit ihr eure Brötchen verdienen möchtet, auskennt. Gebt Interessierten einen Einblick in eure Arbeitsweise und arbeitet eure Alleinstellungsmerkmale heraus. Das kann auch etwas Zeit in Anspruch nehmen und vielleicht stellt ihr im Lauf der Zeit fest, dass ihr euch erst nach und nach findet.

Als ich die erste Version meiner Website durch die zweite Version ersetzte, stellte ich erschrocken fest, wie steif die erste Version klang. Vor allem klang sie nicht nach mir. Ich nehme meinen Job ernst. Zugleich bin ich jemand, der gerne Spaß bei der Arbeit hat. Dass ich bei der Erstellung der ersten Version der Website das Gefühl hatte, dass ich als Übersetzer ernst sein müsste, um auch ernst genommen zu werden, trug dazu bei, dass die Website nicht zu mir passte. Die zweite Version klang schon viel deutlicher nach mir und inzwischen bin ich rundum happy.

Ich präsentiere mich einerseits als Experte auf meinem Gebiet, andererseits zeige ich mich aber auch als der Nerd, der ich bin. Ich schreibe und übersetze schließlich nicht für Anwälte, medizinische Einrichtungen oder die Flugzeugindustrie. Ich schreibe und übersetze hauptsächlich für Kunden aus der Entertainment-Branche – Newsportale für Film- und Serienfans, eSports-Blogs und Nerd-Shops. Auch meine Tourismus-Kunden sind Unternehmen, in denen ein lockerer Umgang gepflegt wird. Zu denen würde die zugeknöpfte Art und Weise, auf die ich mich auf meiner Website einst präsentierte ebenfalls nicht passen.

Als ich mich nach und nach auf der Website selbst fand, war es auch an der Zeit, den Blog ins Leben zu rufen. Und auch der hat sich inzwischen neu erfunden. Tatsächlich hatte daran die Corona-Pandemie schuld, denn als ich den Blog ins Leben rief, verfolgte ich noch völlig andere Ziele, hatte einen gänzlich anderen Schwerpunkt. Eine große Säule brach in sich zusammen. Damals wollte ich euch unter anderem mit Updates von unterwegs versorgen, z.B. von Comic Cons. Auch andere Säulen nahmen Schaden. Während der Pandemie hielt ich den Blog deshalb mit gelegentlichen Beiträgen am Leben und überbrückte somit die Zeit, bis ich meine neue Stimme fand. Sobald ich wieder vermehrt auf Events sein werde, werde ich auch von diesen berichten. Mein Fokus hat sich allerdings verschoben. Ratgeberartikel für Kollegen, Kunden und Interessierte stehen nun im Mittelpunkt.

Findet eure Stimme und habt Spaß

Wenn ihr keinen Spaß am Bloggen habt, hat ein Business-Blog keinen Sinn. Möchtet ihr euch dennoch im Web präsentieren, dann bleibt bei einer schlanken Website mit den wichtigsten Informationen. Das klingt hart, aber es ist leider nun mal eine Tatsache. Wie zuvor schon erwähnt, bringt ein solcher Blog eine Menge Arbeit mit sich und am Ende werdet ihr nur motiviert bleiben, wenn ihr Spaß daran habt. Und seien wir mal ehrlich: Ein Blog, der seit Monaten oder gar Jahren mit keinem neuen Artikel versehen wurde, rührt für euch auch nicht gerade die Werbetrommel.

Als Tipp kann ich euch deshalb mit auf den Weg geben: Schreibt erstmal ein paar Blogartikel auf dem PC vor, bevor ihr den Blog einrichtet und online nehmt. Habt ihr nach ein paar Ideen und fertigen Artikeln immer noch weitere Ideen und richtig Bock darauf, dann befindet ihr euch mit eurem Vorhaben auf einem guten Weg. Dabei könnt ihr auch gleich eure Stimme finden. Vielleicht habt ihr vor dem Schreiben des ersten Blogposts noch eine ganz andere Vorstellung von eurem Blog als nach dem Schreiben des siebten oder achten Artikels.

Habt ihr bereits einen Blog oder plant ihr, einen ins Leben zu rufen? Liegt euch das Bloggen gar nicht und ihr möchtet lieber bei einer simplen Website bleiben? Oder verzichtet ihr komplett darauf, euch online mit einer eigenen Übersetzer-Website oder einem Übersetzer-Blog zu präsentieren?

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